Freitags predigt
Die muslimische Persönlichkeit in der digitalen Welt und die Ethik der Social-Media-Nutzung:

Meine
Geschwister! Werte Gläubige!
Der
Islam ist eine vollkommene Lebensordnung, die uns in jedem Augenblick
ein Wegweiser ist. Unser Glaube setzt uns moralische Maßstäbe
und Grenzen – nicht nur im physischen Alltag, sondern ebenso in
der digitalen Welt und den sozialen Medien. Allah erinnert uns im
Koran mit den Worten: „Wo
immer ihr auch seid – Allah ist mit euch. Und Allah sieht, was
ihr tut.“ [1] Das
bedeutet: Wir stehen nicht nur in der realen Welt, sondern auch im
digitalen Raum unter Allahs Aufsicht. Unsere Aufgabe ist es daher,
soziale Medien mit Respekt gegenüber der Würde und den
Rechten unserer Mitmenschen zu nutzen. Ein Muslim geht keiner
Information nach, für die es keine gesicherten Belege
gibt,[2] und hält sich
von sinnlosen Beschäftigungen fern, die keinen Nutzen
bringen.[3] Niemals darf er
durch die Hilfe der künstlichen Intelligenz oder digitaler
Manipulationen täuschen, nur um mehr „Likes“
oder Follower zu bekommen.
Liebe
Geschwister!
Wir
sollten weder diejenigen sein, die andere täuschen, noch
diejenigen, die sich leichtfertig täuschen lassen. Wir sollten
Menschen sein, bei denen sich andere sicher sein können, dass
weder von ihren Taten noch von ihren Worten Gefahr ausgeht. Selbst
wenn wir Kritik üben, dürfen wir die Gerechtigkeit nicht
verlieren und niemanden durch herablassende Äußerungen
kränken. Unser Prophet (s) warnt uns: „Es
genügt einem Menschen als Lüge, alles weiterzuerzählen,
was er hört.“[4]
Wir sollten diese Warnung ernst nehmen und keine Inhalte teilen,
deren Wahrheitsgehalt wir nicht überprüft haben. Selbst
wenn eine Information wahr ist, sollten wir uns fragen: „Hat
es einen Nutzen für die Menschheit, wenn ich das jetzt
verbreite?“
Wir müssen im Internet mit unserem Namen und unserem Charakter
für Glaubwürdigkeit stehen. Es ist nicht rechtens, sich
hinter anonymen Profilen oder Nicknamen zu verstecken, um Unruhe zu
stiften. Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit sind Prinzipien, von
denen wir niemals abweichen dürfen. Wir sollten uns immer
bewusst sein: Jede Spur, die wir digital hinterlassen, wird in
unserem „Buch
der Taten“
vermerkt. Eines Tages werden wir dafür Rechenschaft ablegen
müssen.
Werte
Muslime!
Ein
weiterer entscheidender Aspekt der Medienethik ist der Schutz der
Privatsphäre und das Vermeiden von Selbstdarstellung. Der Islam
verbietet es, in der Privatsphäre anderer zu
schnüffeln,[5] untersagt
es aber ebenso, sein eigenes Privatleben zur Schau zu
stellen.[6] Unsere
Wohnungen, unser Familienleben und unsere Speisen sind private
Angelegenheiten. Ein Foto, das wir vielleicht völlig unschuldig
posten, kann Mitmenschen, die weniger besitzen, traurig machen oder
verärgern. Zudem können solche Einblicke von böswilligen
Personen missbraucht werden, um uns oder unseren Liebsten zu schaden.
Werte
Gläubige!
Lassen
wir uns nicht von der glitzernden Fassade der virtuellen Welt blenden
und vergessen wir dabei nicht unser eigentliches Ziel: das Jenseits.
Die enorme Energie, die wir aufwenden, um unser Social-Media-Profil
zu verschönern, sollten wir lieber investieren, um unser Buch
der Taten für das Jenseits zu verbessern.
Möge Allah uns zu aufrichtigen Dienern machen, bei denen Wort und Tat übereinstimmen. Möge Er uns, unsere Kinder und unser Zuhause vor den Fallen der digitalen Welt und dem Unheil böswilliger Menschen bewahren. (Amin)
[1] Hadid,
57/4.
[2] İsra,
17/36.
[3] Muminun,
23/3.
[4] Ebu Dawud,
Edeb, 80.
[5] Hudschurat,
49/12.
[6] Nur, 24/31.