Freitags predigt
Die Taten sind nach den Absichten zu beurteilen:

Mit all seinen Höhen und Tiefen liegt das Jahr 2025 nun hinter uns. Wir bitten Allah, dass Er das Jahr 2026 noch segensreicher macht als das vergangene. Möge Er es zu einem Jahr werden lassen, in dem Barmherzigkeit wächst, Gerechtigkeit verwirklicht wird und Frieden einkehrt - besonders in den Regionen, in denen Menschen unter Unterdrückung leiden.
Liebe
Geschwister! Werte Gläubige!
Wenn
wir in ein neues Jahr eintreten, gehört es zu den wichtigsten
Aufgaben, innezuhalten, unser Herz zu prüfen und unsere
Absichten zu hinterfragen. Unser Prophet (s.a.s.) hat uns gelehrt,
dass Taten ihren Wert nach den Absichten erhalten und dass jeder
Mensch nur das bekommt, was er beabsichtigt hat.[1] Die
Absicht ist wie die Qibla (Gebetsrichtung)
des Herzens; sie ist die innere Ausrichtung. Absicht bedeutet, eine
Tat bewusst zu verrichten; wissend, was man tut und warum man es tut.
In diesem Sinne geht es bei der Absicht weniger darum, „was“
wir tun, sondern vielmehr darum, „warum“
wir es tun. Eine kleine Tat kann durch eine aufrichtige Absicht zu
etwas Großem werden, während eine scheinbar große
Tat durch eine falsche Absicht ihren Wert verlieren kann. Der
Gesandte Allahs (s.a.s.) berichtet, dass Allah zu den Engeln, die mit
der Aufzeichnung der Taten der Menschen betraut sind, spricht: „Wenn
Mein Diener eine gute Tat beabsichtigt, sie aber nicht ausführt,
so schreibe Ich ihm dafür eine gute Tat. Führt er sie aus,
so schreibe Ich ihm dafür zehn- bis siebenhundertfachen Lohn.
Wenn Mein Diener eine schlechte Tat beabsichtigt und davon ablässt,
so schreibe Ich sie ihm nicht als Sünde an. Begeht er sie
jedoch, so schreibe Ich ihm dafür eine einzige Sünde.“[2]
Verehrte
Gläubige!
Derjenige,
dessen zwei Tage einander gleichen, befindet sich im Verlust. Der
Mensch ist nicht dafür geschaffen, stehen zu bleiben. Wir sind
dazu berufen, diese Welt sowohl materiell als auch geistig und
spirituell mitzugestalten. Deshalb sollten wir den Wert unserer Zeit
erkennen und sie bewusst nutzen.
Liebe
Geschwister!
Beim
Beginn des Jahres 2026 sollten wir uns nicht nur mit weltlichen
Zukunftsplänen beschäftigen. Wir sollten auch auf unser
vergangenes Leben zurückblicken und uns fragen, wie wir die Zeit
genutzt haben, die Allah uns geschenkt hat. Denn am Tage der
Abrechnung werden wir nicht gefragt, „wie
lange“
wir gelebt haben, sondern „wie“
wir unser Leben geführt haben.[3]
Liebe
Geschwister!
Lasst
uns auch den gesegneten Monat Radschab, in dem wir uns befinden, als
Chance ergreifen, unsere Absichten zu erneuern. Nehmen wir uns vor,
Allah aufrichtig und voller Hingabe zu dienen.[4] Nehmen
wir uns vor, alles, was wir tun, um Allahs Wohlgefallen willen zu
tun. Nehmen wir uns vor, niemanden zu verletzen und keine Herzen zu
brechen. Nehmen wir uns vor, in Wort und Tat ehrlich zu sein, das
Recht zu wahren und gerecht zu handeln. Nehmen wir uns vor, die
Älteren zu respektieren und den Jüngeren mit Barmherzigkeit
zu begegnen. Nehmen wir uns vor, sensibel mit den Rechten anderer
umzugehen, vergebend zu sein und Fehler nicht ständig
vorzuhalten. Nehmen wir uns vor, geduldig zu bleiben und in
schwierigen Zeiten nicht aufzugeben. Nehmen wir uns vor, ein
bescheidenes Leben ohne Prahlerei zu führen, dankbar für
das zu sein, was wir haben, und unseren Lebensunterhalt auf erlaubte
Weise zu verdienen. Nehmen wir uns vor, das Gute zu gebieten und vom
Schlechten abzuhalten. Nehmen wir uns vor, ein
verantwortungsbewusstes und achtsames Leben zu führen.
Werte
Gemeinde!
Mögen
unsere Absichten gut sein, möge unser Ende und unser Ausgang gut
sein. Möge der Monat Radschab uns Segen bringen. Möge unser
Freitag gesegnet sein!
Die DİTİB-Predigtkommission
[1] Bukhari,
Badu’l-Wahiyy, 1; Muslim, Imara, 155.
[2] Muslim,
Iman, 204.
[3] Tirmidhi,
Sifatu’l-Qiyama, 1.
[4] Koran,
Zumer, 39/2.